Konsum + Trends in Deutschland

Ein kleiner Streifzug durch Konsum und Trends beim Kaffee. Mit einigen launigen Anmerkungen meinerseits.

In Kaffee-Geschichte
Zubereitung früher

Viele neue Kleinröster mit Shops

Seit den 2000er Jahren hat sich eine vielfältige Kleinröster-Szene in Deutschland etabliert. Sie versuchen häufig direkten Handel mit Erzeuger-Koopertiven und importieren ihren Kaffee selbst. Einige sind dem FairenHandel angeschlossen. Meist haben sie Coffee-Shops mit Ausschank.


Der gute alte Filterkaffee

Da der gute, alte Filterkaffee nach wie vor beliebt ist, hat sich die Industrie was Neues ausgedacht. Sie hat ihn neu erfunden und der Deutsche Kaffeeverband hat das als „Neuen Trend“ kräftig unterstützt. Dafür muß man sich nur das neue Equipment kaufen. Bei „Coffee-Circle“ werden gleich 6 Methoden beworben:

  • Chemex
  • Handfilter
  • AeroPress
  • Hario Syphon
  • French Press
  • Bayreuther/Karlsbader Kanne

Die alte Dröppelmaschine brüht den Kaffee meist zu heiß und der Vorgang dauert zu lange, was zur Überextraktion führt. Besonders wenn man sehr große Filter benutzt. Ganz schlecht: Den Kaffee stundenlang auf der heißen Platte warm zu halten. Der Ph-Wert stürzt ab und man hat nur noch saure Pampe. Das wird nicht selten mit Büchsenmilch und viel Zucker ausgeglichen. Wer’s mag ….?


Viel Milch, Karamell, Sirup und mit Eis – eigentlich was aus der Milchbar

Viele  Coffee-Shop-Ketten arbeiten nach der Blaupause von Starbucks: Der Ort ist hipp und stylisch und auf alle Fälle müssen 10 Flaschen mit Aroma-Sirup im Regal stehen, um dem neusten Trend gerecht zu werden. Das Angebot wird dominiert von Milchkreationen. Ich fühle mich häufig an die Milchbars aus meiner Jugend erinnert. Es könnte sein, dass in diesem Shops mehr Milch als Kaffee ausgeschenkt wird.


Der Barista schäumt was auf – im Coffeeshop

Der Barista gilt als der King of Coffee, dabei sind es die Kaffee-farmer:innen, die durch ihre immense Arbeit dem Kaffee das mitgeben, was bei ordentlicher Röstung aus der Bohne herausgekitzelt werden kann. Rösten und Zubereiten, das sollte man sich immer klar machen, sind nachgelagerte Techniken.


Espressokocher

Der kleine Espressokocher ist der italienische Klassiker. Allerdings wird dabei der Kaffee sehr heiß aufgebrüht. Das Wasser wird zu Dampf und sucht sich unter Druck den Weg durchs Kaffeepulver. Dabei entstehen (rein physikalisch) Temperaturen über hundert Grad Celsius, was den Kaffee eigentlich überextrahiert. Es geht aber relativ schnell, wenn der Prozeß einmal in Gang gekommen ist. Das ist ein Vorteil gegenüber dem Kaffeefilter, auf dem Wasser meist minutenlang steht.

Der Kaffee schmeckt eher bitter. Meist wird dazu Milch genommen – und/oder viel Zucker.


Vollautomaten

Wer die Elektronikläden Saturn, Mediamarkt oder Conrad betritt, stößt sofort auf einen unübersehbare Vielfalt an Kaffee-Vollautomaten. Frisch gemahlene Bohnen sind Voraussetzung für wirklich guten Kaffee, den man daraus beziehen kann. Die meisten haben heute eine ordentliche Crema. Wer Milch aufschäumen will sollte darauf achten, daß die Maschine zwei Heizkreisläufe besitzt. Damit gehen die Preise aber schon in den Bereich von tausend Euro.


Pad-Maschinen

Kaffee-Pads sind die lukrativen Einzelportionen – für die Hersteller. Nicht ganz so teuer wie Kapseln, aber dafür wird der Kaffee auch nicht mit dem nötigen Druck erzeugt. Diese Maschinen arbeiten mit ca. 2-3 bar, was für eine vernünftige Crema nicht ausreicht. Ausserdem ist die Kaffee-Qualität bei den Pads eher unterdurchschnittlich. Für die Hersteller ein Massenmarkt als Büroequipment und für Single-Haushalte. Immerhin sind die Pads kompostierbar.


Kapsel-Maschinen – Nespresso & Co

Kapseln wurden in Europa durch Nespresso eingeführt und sind im Hochpreis-Segment angesiedelt. Um Nachahmerprodukte gab es einen Kapselkrieg, den NESTLÉ letztendlich verloren hat, weil Patente ausliefen. NESTLÉ hatte versucht die Methode durch 13.000 Patente abzusichern (kein Scherz). In USA ist der Marktführer bei Kapseln die Firma KEURIG, eine Tochter des Kaffee-Imperiums der JAB-Holding, der auch JDE-Peets gehört (füher Jacobs). Kapsel-Kaffee, Instant und Kaffee-Kaltgetränke sind für die Hersteller weltweit die Trendprodukte um Gewinne einzufahren.

Siehe hierzu auch: Markenwahn und Premiumisierung


Instant-Kaffee

NESTLÉ ist mit seinem Nespresso der globale Marktführer, weil in vielen Ländern Asiens und Lateinamerikas nur solcher Kaffee erschwinglich ist. Er wird meist nur aus Robusta oder hohem Anteil davon hergestellt. Die Bezeichnung „100% Arabica“ auf einem Instant-Produkt nützt nichts, denn der Gesetzgeber schreibt bei Kaffee nur vor, daß 100% Kaffee drin sein muß. Arabica oder Robusta sind als Inhaltsprodukte nicht geregelt. Kein Lebensmitteluntersuchungsamt hat da ein Auge drauf. Die Marketing-Abteilung hat dabei freie Fahrt…!

Viele Instant-Produkte sind Kaffee-Mixgetränke. Ist weniger als 90% reiner Kaffee drin, ist die Kaffeesteuer wesentlich geringer. Mit Hilfe von chemischen Aufschäumhilfen wird bei Instant sogar Cappuccino oder Kaffee-Latte angeboten. Besonders kreativ ist dabei die Firma Krüger aus Mönchengladbach, deren Erzeugnisse bei jedem Discounter stehen.


Kaffee-Kaltgetränke (RTD)

Wer mal einen Blick ins Kühlregal wirft, der wird bemerkt haben, dass immer mehr Kaffee-Kaltgetränke angeboten werden. Entweder in der Aludose (höherwertiges feeling) oder im Plastikbecher wie Joghurt. Selbst die Firma Müller-Milch ist dabei. Starbucks, die Edelmarke illy aus Italien und alle großen Hersteller wollen von diesem Trend profitieren. Dabei wird ein übler Mix von Kreationen und Mischungen angeboten. Unnötig zu betonen, daß solche Einzelportionen extrem verpackungs-intensiv sind umweltschädlich sind. Kaffee ist dabei nur noch Aushängeschild. Man versucht damit an Energy-Drinks anzudocken und jugendliche Kundschaft zu begeistern.


Cold Brew und der neuste Hype

Wie der Name schon sagt ist Cold Brew ein Kaffee, der mit kaltem Wasser extrahiert wird, dafür über längere Zeit. Der Trick: Solchen Kaffee kann man gut über die Kühltheke im Supermarkt anbieten. Hersteller für Zapfanlagen, die bisher im Bier-und Limonadenbereich tätig waren, bieten bereits Produkte für „Cold-Brew“ an. Wer ein Bier-Zapf-Feeling im Coffeeshop braucht – bittesehr. Angeblich bietet Cold Brew unvergleichliche, neue Geschmacksnuancen, die anders nicht rauszukitzeln sind. Wer so was braucht, soll es ausprobieren, ich bin eher skeptisch.


 


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