FairerHandel! – in Deutschland

Der FaireHandel war anfangs auf Wohltätigkeit ausgerichtet, entwickelte aber in den 1960er bis 80er Jahren eine umfassende Kritik an neokolonialen Welthandels-Strukturen. Der heute neoliberal ausgerichteten Weltordnung wird ein Konzept des gerechten Welthandels entgegengesetzt.

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Die Akteure verstehen sich als Teil der Zivilgesellschaft und sind häufig parallel auch in vielen anderen Initiativen aktiv. Etwa in der Bewegung gegen das TTiP-Freihandels-Abkommen (Bild oben, 2015), in der Hilfe für Flüchtlinge oder den zahlreichen anderen Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), bis hin zu „Fridays for Future“. Eine sehr wesentliche Gruppe stellen von Beginn an die Kirchen und christliche Aktive. Viele der Weltläden sind in Kirchengemeinden angesiedelt. Die GEPA beispielsweise schreibt über ihre Träger: „Unsere Gesellschafter sind ausnahmslos kirchliche Entwicklungs- und Jugend-Organisationen. Um die Lebensbedingungen von Kleinbauern und Kunsthandwerkern zu verbessern, die mit ihren Produkten auf dem Weltmarkt benachteiligt sind, gründeten sie 1975 die GEPA.“

Nicht reden, sondern tun – praktische Hilfe mit alternativem Handel

Der Röster sagt:
Der FaireHandel ist für mich der etwas andere Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus.

Um die benachteiligten Farmer:innen im Globalen Süden zu unterstützen, wurden dort Gruppen und Genossenschaften gegründet, die ohne ausbeuterischen Zwischenhandel oder profitorientierte Großkonzerne direkt an Organisationen im globalen Norden Waren liefern, die dort zu fairen Preisen vermarktet werden. Inzwischen gibt es in Deutschland über 1.000 fair gehandelte Produkte. Von Beginn an wurden die Waren in speziellen „Weltläden“ verkauft, davon gab es 2018 knapp 1.000 in Deutschland, europaweit sind ca. 2.500.

Der meiste Umsatz wird mit dem allseits bekannten FairTrade-Siegel (Köln) gemacht. FairTrade handelt aber nicht selbst mit den Produkten, sondern vergibt nur das Siegel. Einzelne Großimporteure wie die GEPA (Wuppertal), ElPuente (Nordstemmen) oder WeltPartner (Ravensburg) beliefern alternative Weltläden, zum Teil auch Supermärkte.

Das FairTrade-Siegel ist laut Umfragen das bekannteste Siegel für alle Kunden in Deutschland

Die Zusammenarbeit mit den Einzelhandels-Konzernen ist im FairenHandel umstritten, weil es berechtigte Kritik an deren Geschäftspraktiken gibt und die Befürchtung besteht, dass sie lediglich die FairTrade-orientierten Kunden locken wollen und Image-Pflege betreiben. Die laufenden Lebensmittelskandale und das Preisdumping sollen so verdeckt werden. Das FairTrade-Siegel orientiert sich sehr darauf, auch Supermärkte und Discounter zu beliefern.

FairHandels-Bilanz 2019: Rund 2 Mrd. € in Deutschland – Kaffee ist mit 600 Mio. € dabei

Angaben des Forum-Fairer-Handel – FFH – zum Umsatz mit FairHandels-Produkten 2019

Rund ein Drittel zum fairen Umsatz trägt der Kaffee bei – mit knapp 600 Mio. Euro. Allerdings ist der Anteil am Gesamt-Kaffeemarkt mit 6,7% immer noch sehr gering.

Der Kaffeemarkt ist äusserst lukrativ, mächtige Großkonzerne verstärken ihre Marktmacht durch Zukäufe, der Lebensmittel-Einzelhandel agiert auch nicht mit Samthandschuhen und ist höchst monopolisiert. Die von Sonderangeboten und „Geiz ist Geil“-Werbung überfluteten Verbraucher werden systematisch von fairen Kaufentscheidungen abgehalten. Die unübersehbare Vielfalt von Gütesiegeln und Labels trägt zur Verwirrung bei. Häufig handelt es sich um Fake-Siegel mit Greenwashing-Hintergrund (siehe unten zu Labels).

FairerHandel ist politisch: Klima-Aktionen und für Lieferkettengesetz

Der FaireHandel mischt sich auch in die politischen Rahmenbedingungen des Welthandels und der Klimapolitik ein.

Klick Logo zur INITIATIVE LIEFERKETTEN-GESETZ

LIEFERKETTENGESETZ:

Anfang Februar 2021 stellte die Bundesregierung ihren Entwurf für ein Lieferkettengesetz vor. Es ist stark verwässert und entspricht nicht einer durchgreifenden menschenrechtlichen Verantwortung deutscher Unternehmen für ihre Produkte. Es geht dabei um die Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette. Z.B. das Recht auf Wasser, gewerkschaftliche Organisierung, Bezahlung, Recht auf ausreichende Sanitäre Ausstattung, gegen Kinderarbeit. Und nicht zuletzt die Sicherheit am Arbeitsplatz, wie die Katastrophe der Rana Plaza-Fabrik in Bangladesh gezeigt hat. Zusammen mit vielen anderen entwicklungspolitischen Gruppen macht der FaireHandel dabei Öffentlichkeitsarbeit, mobilisiert Menschen Petitionen zu unterschreiben und ruft zu Demonstrationen auf. Neues zum weiteren Verlauf des Gesetzes.

 

Unterzeichner der Erklärung zu 5 Jahre Pariser Klimakonferenz

Kampagne des FairenHandels vor dem Kopenhagener Klimagipfel 2009

KLIMAWANDEL:

Erklärung der FairHandels-Akteure zu 5 Jahre Pariser Klima-Konferenz – Dezember 2020

Da viele der Produzenten im globalen Süden leben und dort der Klimawandel mitunter die stärksten Auswirkungen hat nimmt sich der Faire Handel in die Pflicht den Klimawandel in den Industrieländern an der Quelle zu bekämpfen.

Den Menschen im Süden setzen klimabedingte Hitzeperioden, Starkregen, Überschwemmungen und Bergrutsche enorm zu.

Seit Jahren berichten Produzentengruppen besonders aus dem Agrarbereich (Kakao, Kaffee, Baumwolle, Bananen usw.) von diesen Schwierigkeiten, die sich zu den ungerechten Handelsbeziehungen noch dazu addieren. Bei allen großen Klimagipfeln waren FairHandels-Aktivisten dabei.

Gute Label – Schlechte Label

FairHandels-Importeure

Die Vielfalt der Label und Gütesiegel ist zu einer grassierenden Seuche geworden. Jeder Discounter oder Hersteller wirbt mit bunten Güte-Logos für je eigene „Nachhaltigkeit“, „Schonende Röstung“, „Sorgfältige Auswahl“, „Bio-Qualität“, „Klimaneutral“, „Glückliche Kühe“ usw. Parallel hierzu werden spezielle Projekte von Nachhaltigkeit, Klimaschutz und ökologischer Bewirtschaftung beworben – bei Tchibo z.B. Schulungsprojekte für Farmer, Mahlzeiten für Kinder usw. (tchibo.de-Dez. 2020).

Tchibo verwendet dabei selektiv das Fairtrade-Siegel und das von Rainforest-Alliance. Häufig ist ein Fairtrade-Siegel aufgedruckt, klein darunter steht aber: „Zu 30% FairTrade-Zertifiziert“. Das FairTrade Label ist das einzige, das den Farmer*innen auch Mindestpreise garantiert. Der Rest ist mit dem für Großröster einfach zu erhaltenden Rainforest-Logo versehen, das nur ökologische aber keine sozialen und Preisaspekte enthält. So aufgestellt kann Tchibo dann behaupten zu „100% zertifizierten Kaffee im Premiumsegment und bei Cafissiomo“ anzubieten. Zertifiziert wird dann schnell mit „Fair“ verwechselt und fertig ist die Verbrauchertäuschung beim schnellen Blick auf irgendein grünes Frosch-Logo im Feierabend Einkaufsstreß.

Die Vergabe von Siegeln ist mittlerweile selbst zu einem Geschäftsmodell geworden und sollte deshalb kritisch betrachtet werden.

FairerHandel – ist das alles BIO?

Fairtrade und Bio als starke Kombi – 2018 waren es 77 Prozent Bioanteil – Meldung von FairTrade Deutschland:

Wie gut sich Bio-Anbau und Fairtrade ergänzen, belegen aktuelle Zahlen: 2018 waren 77 Prozent der in Deutschland verkauften Fairtrade-Absätze zusätzlich auch Bio-zertifiziert. Damit steigt der Bio-Anteil im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent. Bei Kaffee liegt der Anteil aktuell bei 73 Prozent, bei Tee sogar bei 86 Prozent. Selbst große Konzerne setzen mit neuen Produkten auf Bio- und Fairtrade-Qualität. Neu im Regal ist beispielsweise der Nescafé Gold, der ab Mai erhältlich ist. Auch Darboven erweitert sein faires Kaffeesortiment mit den Fuerte Pads um ein weiteres Bio-Produkt.
Fairtrade und BIO immer gefragter – Pressemitteilung Transfair Deutschland

Kaffeesteuer auch für faire Produkte? – Geht garnicht!

TransFair in Köln fordert die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee und damit die Förderung des nachhaltigen Konsums in Deutschland durch steuerliche Anreize. Pro Kilo Röstkaffee sind in Deutschland 2,19 Euro Kaffeesteuer zusätzlich zur Mehrwertsteuer fällig, egal, ob fair oder nicht. Dahinter steht auch die Frage, ob die Steuerpolitik in Deutschland zur Förderung von Nachhaltigkeit eingesetzt wird. Erfahren Sie, wie sich die Debatte rund um die Kaffeesteuer bisher entwickelt hat.
Updates zur Debatte um die Kaffee-Steuer bei TransFair

Anläßlich des fünften Jahrestags zur Verabschiedung der Nachhaltigkeits-Agenda der Vereinten Nationen (SDGs = Sustainable Development Goals) fordert das FORUM FAIRER HANDEL u.a. auch die Abschaffung der Kaffeesteuer für fairen Kaffee. Siehe Stellungnahme vom 24.9.2020:
Forum-Fairer-Handel: Ohne Klimagerechtigkeit und Fairen Handel geht es nicht voran


Weitere Links zum FairenHandel

EineWeltNetzwerk-NRW Büro fairer Handel – Jürgen Sokoll
Jürgen Sokoll ist gemeinsam mit EXILE e.V. mein Partner im KaffeeGartenRuhr in Essen
ForumFairerHandel – Berichtszahlen und Entwicklung im Jahr 2019 – PDF Download


 

Wichtige Entwicklungen im FairenHandel

Gütesiegel für Kaffee – kritisch betrachtet

Auch bei Kaffee grassiert die Seuche mit bunten Gütesiegeln und Bildchen, die alles versprechen, was man sich wünschen kann. Häufig ist der Verbraucher dabei überfordert – und das ist wohl auch so gewollt.
Eine Reise durch den Siegel-Dschungel.

3 GEPA-Kaffees im Erzeugerland geröstet

Die GEPA bietet insgesamt 3 Kaffees an, die im Ursprungsland geröstet werden: Aus Ruanda (Musasa), Honduras (Aprolma) und Guatemala (Fedecocagua). Das ist eine ermutigende Entwicklung!
Mehr zum Kaffee aus Ruanda hier bei der GEPA

Mehr zur Wertschöpfung zu allen drei GEPA-Kaffees

GEPA: „Der neue „Bio-Café MUSASA“ wird in Ruanda geröstet und verpackt – das sorgt für mehr Wertschöpfung vor Ort. MUSASA vervollständigt unser Trio der komplett im Herkunftsland hergestellten Kaffees unter dem Motto #mehrWertFürAlle. Unser Partner MUSASA hat in Ruanda mit mehreren Kooperativen eine eigene Rösterei, Rwashoscco, aufgebaut. Dort wird ihr erntefrischer und sorgfältig getrockneter Arabica bis zur Perfektion geröstet und von Hand abgefüllt. Die Bio-Zertifizierung der Rösterei haben wir finanziert. Auf diese Weise hat der Kaffee eine erstklassige Qualität, auf die MUSASA sehr stolz ist – in jeder Hinsicht mehr wert.“

EL PUENTE mit Kaffee aus dem Bürgerkriegsland DR Kongo

Die schwierigen Bedingungen in einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo sind für den FairenHandel eine besondere Herausforderung. Der Kaffee heißt Café Liberté und hat ein Bio-Zertifikat.

Der Name der Kooperative „Muungano“ bedeutet auf Suaheli „Miteinander“. Die Kooperative vereint verschiedene ethnische Gruppen, die durch den Krieg getrennt wurden. Ein großes Ziel ist es dabei, Frauen zu stärken.
Mehr dazu hier

Kaffee-Kalkulation im Herkunfstland geröstet im Vergleich zu Deutschland.

EL PUENTE Kaffee-Kalkulation im Herkunftsland geröstet im Vergleich zu Deutschland.

Auch EL PUENTE bietet einen im Herkunftsland Kolumbien gerösteten Kaffee an.

Statt 1.24 € gehen 3,39 € pro 250 g-Packung in das Erzeugerland.

Mehr dazu hier bei EL PUENTE


VIDEO Kaffeeworkshop FairerHandel / Alex Kunkel im KaffeeGartenRuhr

VIDEO Kaffee-Workshop FairerHandel +++ CLICK  (Neuer Tab) +++


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