Dramatischer Bergrutsch in Uganda - Überlebende suchen verschüttete Opfer

Kaffee, Klima und Umwelt

Wie viele andere Agrar-Rohstoffe leidet auch der Kaffeeanbau stark unter dem Klimawandel. Die Aufwirkungen sind deutlich: saisonale Verschiebungen, unberechenbarer Starkregen, Bergrutsche, steigende Temperaturen und zu lange Trockenzeiten. Der daraus folgende Schädlingsbefall wird von den Agrar-Multis als Chance für mehr Pestizideinsatz gesehen. Durch dessen Produktion entsteht aber noch mehr CO2.

Kaffee-Krankheiten und Schädlinge
durch Klimawandel

Sowohl Arabica als auch Robusta-Kaffee leidet enorm unter dem dramatischen Klimawandel, der in den Ländern des Südens die meisten Schäden verursacht. In den Hochlagen, wo Arabica wächst, schleichen die höheren Temperaturen die Berghänge hoch. Überall wird beobachtet, daß der Anbau eigentlich in noch höhere Lagen ausweichen müsste. Aber dort sind Wälder, häufig geschützte Gebiete oder Nationalparks. In Mittel-und Südamerika hat sich der Blattrost von 1000m Höhe bis auf 2000m ausgeweitet, wo er vorher nicht anzutreffen war.

Kaffeekrankheiten und Schädlinge – Die Fotos der Bildergalerie stammen alle aus Uganda am Mount Elgon:


Die Video-Animation „Kaffee und Klimawandel“ zeigt die grundsätzliche Problematik (neuer Tab). Auszug aus Power-Point-Präsentation von Alex Kunkel im KaffeeGartenRuhr

Artikel im ugandischen DAILY MONITOR von 2013 über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Kaffeeanbau (englisch)


Kaffee ist auf der Internationalen Roten Liste der gefährdeten Arten als STARK GEFÄHRDET eingestuft.

Kaffee ist seit 2018 auf der Internationalen Roten Liste der gefährdeten Arten als STARK GEFÄHRDET eingestuft.

Äthiopiens Wildkaffee auf der
ROTEN LISTE der gefährdeten Arten

Im März 2020 wurde bekannt, dass Arabica offenbar aus der Mutation von nur einer einzigen Pflanze hervorgegangen ist, die sich dann verbreitet hat. Deshalb hat Arabica ein geringes Potenzial genetischer Vielfalt, um sich an verändertes Klima anzupassen. Um so wichtiger ist eigentlich der Erhalt des ursprünglichen Wildkaffees, der aber bereits auf der Roten Liste steht.

Älterer Beitrag bei Klimaretter von 2012, als sich diese Entwicklung bereits abzeichnete
Artikel Süddeutsche Zeitung zu Kaffee auf der Roten Liste – 21.01.2019
Internationale ROTE LISTE Arabica stark gefährdet (englisch)

Die Angabe „90% der Wälder verschwunden“ bezieht sich auf Äthiopien als Ganzes.

Tanzania: Hohe Nacht-Temperaturen sind sehr schädlich

Eine Studie von 2015 (Link unten) zeigt, dass in den vergangenen 49 Jahren die nächtlichen Temperaturen in Tanzania um 1,42°C gestiegen sind, was zu einer Verschlechterung des Ernteertrags um 195 kg pro Hektar geführt hat.

Das ist dramatisch und bedeutet einen Verlust von 46% für die kleinen Kaffee-Farmer. Der Autor der Studie, Alessandro Caparo, beobachtet, dass sich Farmer aufgrund des geringen Ertrags mehr und mehr ganz vom Kaffeeanbau abwenden.

Die Prognose der Studie für das Jahr 2060 liegt bei einem Ertrag von ca. 145 kg/Hektar, was einen weiteren Verlust von 35% bedeuten würde. Alles in allem würde Tanzania dann 28 Millionen US$ weniger durch den Export von Kaffee einnehmen.

Link zu einem erläuternden Artikel (englisch) mit Hinweis auf die Original-Studie: While we are sleeping – High night temperatures affect our morning coffee – Coffee Asset – IITA (englisch)
Orginal der Studie zu Tanzania bei ScienceDirect (englisch)


GlobalCoffeeReport 2014 zu Kaffee und Klimawandel - Auszug
First, the world’s largest producer Brazil saw its worst drought in more than 70 years, bringing production down around 30 per cent. Then the world’s second largest producer Vietnam saw an extra heavy onset of deadly Flooding. Indonesia and India followed, and together the Southeast Asian coffee giants are reporting losses of between 20 – 30 per cent. In Central America, climate change is being blamed for the most severe outbreak of rust in recent history, which coupled with a severe drought has sent around 2.8 million people on food aid.   Direkt zum Artikel

Bergrutsche an der Tagesordnung

Starkregen und nachfolgende Bergrutsche in den steilen Lagen des Arabica-Anbaus sind in vielen Kaffee-Ländern zum schlimmen Alltag geworden. In Uganda geschieht es meist im Oktober/November, in manchen Jahren verstärkt durch das El-Niño-Phänomen, das durch den Klimawandel getriggert wird. Fotos aus den vergangenen Jahren von verschiedenen Schauplätzen am Mount Elgon/Uganda:

2017 besuchte ich den Ort eines Bergrutsches am Mount Elgon in Manafwa/Uganda und habe das in diesem Video dokumentiert. Es behandelt auch Aufforstungsaktionen und den Sinn von Bienenzucht. Das Video ist leider nur in englischer Fassung, wird demnächst nachbearbeitet.


Mit Agrargiften gegen den Klimawandel?

Klimabedingte Kaffeekrankheiten und Schädlinge durch mehr Agrargifte zu bekämpfen wäre die schlimmste aller Lösungen, obwohl kurzfristig vielen Kaffee-Farmer:innen manchmal nichts anderes übrig bleibt.

Die meist aus Erdöl gewonnenen Agrargifte zementieren den Kreislauf fossiler Stoffe, den es zu begrenzen gilt. Zusätzlich benötigt die Agrar-Chemie dafür enorme Energiemengen und vergiftet schon bei der Produktion die Umwelt. Ganz zu schweigen von den dramatisch steigenden Pestizidvergiftungen in den Ländern des Südens beim Einsatz der Chemikalien.

 Arabica hat wenig genetische Vielfalt

Der auf der ROTEN LISTE stehende Wildkaffee in Äthiopien ist die eigentliche Reserve, um durch Züchtung und Einkreuzung widerstandsfähige Sorten zu gewinnen. Der Arabica-Kaffee ist allerdings aus nur einer einzigen genetischen Mutation einer einzigen Pflanze vor mehr als 10.000 Jahren entsprungen und hat deshalb wenig genetische Vielfalt, was ihn besonders verletzlich für geänderte Umweltbedingungen macht. Das unterscheidet den Kaffee von allen anderen Nutzpflanzen, die heute eine Rolle spielen und es setzt der Züchtung angepasster Sorten enge Grenzen. Wissenschaftsmagazin NATURE:

  Studie belegt genetische Armut des Coffea Arabica / Nature/ 13.03.2020

A new study published today used modern genetics tools to trace the history of the Coffea arabica species, the most common and economically important commercial coffee crop species worldwide. Researchers confirmed the significantly likelihood that C. arabica derived from a single speciation event, a spontaneous coupling of individuals of two different species—Coffea canephora and Coffea eugenioides—that brought together the two genomes to create a new species. All C. arabica grown around the world today therefore originated from a single plant an estimated 10,000 to 20,000 years ago.  „This means that a single plant, a super-individual, has given birth to the whole C. Arabica species and to the millions of trees that are cultivated today all over the world in the intertropical belt,” says co-author and coffee breeder Benoit Bertrand of CIRAD.
The very recent birth of the C. arabica species and the extreme form of genetic bottleneck resulting from this singular speciation event supports the researchers’ other main finding: That C. arabica has lower genetic diversity that any other major crop species in the world.

Forschung für F-1 Hybride

Diese Ressource des Wildkaffees schwindet. Stattdessen wird versucht F1-Hybride zu entwickeln. Federführend ist das Institut World Coffee Research (WCR), an dem viele Kaffeefirmen beteiligt sind. Damit müsste Kaffeesamen immer wieder gekauft werden, weil Hybride sich nicht selbst vermehren können. Heutzutage kann jede Kaffee:farmerin selbst Setzlinge ziehen. Website World Coffee Research


Was ist mit dem Wasserfußabdruck des Kaffees?

Man hört immer wieder, daß für eine Tasse Kaffee 130–140 Liter Wasser verbraucht werden in der Herstellungskette. Das ist irreführend. Bei Kaffee ist es anders als z.B. bei Baumwolle und Avocados. Man muss dabei die drei Komponenten des Wasserfußabdrucks betrachten: Das blaue, das grüne und das graue Wasser. Das Umweltbundesamt sagt dazu:

Der Wasserfußabdruck ist ein Indikator für die Nutzung der Ressource Wasser. In dem Konzept beschreiben der
 GRÜNE   und der   BLAUE   Wasserfußabdruck quantitative Aspekte, der
 GRAUE     Wasserfußabdruck betrifft die Wasserqualität (= Verschmutzung).
Aussagen wie zum Beispiel der Zugang der Bevölkerung zu sauberem Trinkwasser, können mit Hilfe des Wasserfußabdrucks nicht getroffen werden. Außerdem gilt der Wasserfußabdruck nur für Süßwasser. Die Verschmutzung der Ozeane wird nicht betrachtet.
Für eine Bewertung des direkten und des indirekten Wasserverbrauchs ist die lokale Verfügbarkeit von Wasser entscheidend. Ein hoher Wasserfußabdruck in wasserreichen Regionen ist weniger problematisch als ein hoher Wasserfußabdruck in wasserarmen Regionen oder Wüstengebieten.

Der letzte Gesichtspunkt trifft für die meisten Kaffeeregionen zu: Es herrscht kein Mangel an Trinkwasser, es gibt genügend Niederschläge, manchmal sogar zuviel in Folge des Klimawandels. Somit darf das „grüne Wasser“, also der Niederschlag, nicht in den Kaffee-Wasserfußabdruck eingerechnet werden. Das grüne Wasser herausgerechnet, landen wir nur noch bei 5,6 Liter Wasserfußabdruck für eine Tasse Kaffee.

Eine Sonderstellung nehmen Brasilien und Vietnam ein. Kaffee von dort muss anders beurteilt werden, weil es Bewässerungsysteme gibt, die in Konkurrenz zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung stehen.

Bei Produkten wie Baumwolle oder Avocados, die systematisch bewässert werden, wird der lokalen Bevölkerung sehr viel Trinkwasser entzogen.


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