Kaffee Global

Kaffeetrinken hat eine reiche Kulturgeschichte, die zunächst den Orient, dann die ganze Welt prägte. Gleichzeitig ist Kaffee ein wichtiges Exportprodukt und Agrar-Rohstoff von 50 Ländern des Globalen Südens. Der Kaffeehistoriker Steven Topik: „Kaffee als Ware ist einer ernsthaften Betrachtung wert, weil er über Jahrhunderte hinweg seinen zentralen Platz in der Weltökonomie und im Leben von Millionen Menschen nachhaltig bewahrt hat … im Grunde haben ihn immer die armen Länder für die reichen produziert.“

Konzentration der Röster

In den letzten 10 Jahren hat sich die Kaffee-Branche zunehmend konzentriert. Von alle Seiten fanden Firmen-Übernahmen im Milliarden-Bereich statt. Allein die JAB-Holding der reichsten Familie Deutschlands hat über 60 Milliarden Euro in Aufkäufe investiert – gemeinsam mit anderen Investoren. Das Flaggschiff ist JDE-Peets (früher Jacobs) mit 8,7 Milliarden Dollar Umsatz 2019. Der JAB-Holding gehört aber auch der US-Röster Keurig und mehrere Bäckerei und Shop-Ketten, die auch mit Kaffee mächtig Umsatz machen.

NESTLÉ hat sich mit der weltgrößten Kaffee-Kette Starbucks zusammen getan und für 7 Milliarden Doller dessen Einzelhandels-Vertrieb übernommen. Deshalb sehen wir im Supermarkt vermehrt Produkte mit Starbucks-Label. Beide Konzerne zusammen haben einen Umsatz von mehr als 35 Miliarden Dollar im Kaffeebereich.

Marktmacht der Rohkaffeehändler

Global agieren 5 bis 6 Rohkaffeehändler, die ihre Nachfragemacht ungeniert ausspielen. Anders ist der seit 2016 im Sinkflug begriffene Rohkaffee-Preis nicht zu erkären. Die Situation spitzt sich besonders in Süd-und Mittelamerika zu, den traditionellen Arabica-Anbauländern. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, korrupte Regierungen lassen Investoren freie Hand und der Klimawandel tut ein übriges, um die Situation völlig unerträglich zu machen:

„ … müssen heute von Kaffeeflüchtlingen sprechen“

Ein Bericht in der TAZ von 2018:

… Die Effekte des Klimawandels und die niedrigen Preise für Rohkaffee belasten die rund 25 Millionen Kaffeebauern weltweit. Junge Leute wollen immer seltener in ihre Fußstapfen treten, so Thomas Antkowiak, beim bischöflichen Hilfswerk Misereor für den Bereich Fairer Handel zuständig. „Wir müssen heute bereits von Kaffeeflüchtlingen sprechen“ sagt er. Der Kaffeeanbau garantiert kein existenzsicherndes Einkommen mehr   Der derzeitige Marsch der Migranten aus Honduras, Nicaragua und Guatemala durch Mexiko in Richtung USA ist auch eine Folge dieser Entwicklung.

Nachhaltig und Klimaneutral?

In ihrer Werbung und auf schicken Webseiten liest man bei den Global-Playern unterdessen nur Positives: Sie alle sind auf  dem besten Weg „Klimaneutral“ zu werden und jeder hat sein eigenes „Nachhaltigkeitsziel“ formuliert. Stärker könnte der Kontrast zwischen Marketing-Versprechen und Realität kaum sein.

Steht man im Supermarkt und liest die Versprechungen auf den Kaffee-Packungen könnte man meinen, die Kaffee-Farmer:innen leben in der besten aller Welten.


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