Kaffee in der DDR – eine deutsch-deutsche Kaffeegeschichte

Die Kaffee-Geschichte der DDR ist eng verknüpft mit der von Westdeutschland. Das hängt mit den zahllosen Päckchen zusammen, die vom Westen immer in den Osten geschickt wurden.

Die beiden hier vorgestellten Bücher werden noch ausführlich behandelt und die für Kaffee wichtigen Teile in Auszügen besprochen.

1977 Kaffeekrise in der DDR

Die Stasi-Unterlagen-Behörde gibt regelmäßig eine Zusammenschau der Unterlagen aus einem Jahr als Buch heraus. Das Jahr 1977 war dabei herausragend, was den Kaffee betrifft, weil sich das Devisenproblem in der DDR krisenhaft zuspitzte. Deshalb wurde für das Titelbild dieses Bandes eigens das Kaffeethema gewählt.

Im Auftrag des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes. Göttingen, Bristol, CT: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN: 9783525375013, Anzahl Seiten: 320

Wie überall auf der Welt hat sich Kaffee als „Wohlstandsindikator“ auch in Deutschland etabliert. Nach dem 2. Weltkrieg galt das für beide deutsche Staaten. Die damalige BRD hatte besseren Zugang zu den Kaffee-Rohstoffmärkten und konnte mit der entwickelten Kaffeeindustrie gegenüber der DDR auch mit Qualität punkten. 1977 geriet die DDR in eine Devisenkrise, die sich drastisch auf deren Kaffeemarkt auswirkte. Rohkaffee war zu teuer und wurde durch Kaffee-Ersatzprodukte gestreckt. Weil durch die „Päckchen nach drüben“ die westdeutsche Marke „Jacobs Krönung“ sehr beliebt war, erhielt das DDR-Produkt den spöttischen Namen „Erichs Krönung“ – nach dem damaligen Staatschef Erich Honnecker. Die STASI registrierte enorme und bedrohliche Proteste der Kaffee-Konsumenten und hat das akribisch notiert.

Verlagstext: […] Die Berichte, die die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Jahr 1977 an die SED-Führung lieferte, decken ein breites Spektrum ab, das von Republikfluchten und Grenzverletzungen über Aktivitäten von Schriftstellern und kirchenpolitische Ereignisse bis hin zu Unfällen in Volkseigenen Betrieben und Klagen der Bevölkerung über Versorgungsprobleme reicht. […]

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Die Datenbank der Stasi-Unterlagen-Behörde ist öffentlich zugänglich – sehr recherchefreundlich. Stand Juni 2020 sind folgende Jahrgänge erfasst: 1953, 56, 61, 64, 65, 68, 76, 77, 81 und 88

Link Stasi-Unterlagen-Behörde – Ein Beipiel für Unzufriedenheit mit Kaffeeversorgung 1977

Tipp: Dort Einfach mal im Browser nach Stichwort „Kaffee“ suchen – man findet bizarre Berichte über Unzufriedenheit mit „Erichs Krönung“.
Zu diesem Thema gibt auch einen recht guten Eintrag bei
WIKIPEDIA – Kaffeekrise in der DDR


Genuss als Politikum – Kaffeekonsum in beiden deutschen Staaten

Aus der Verlagsbeschreibung:

Zwischen Währungsreform und Wiedervereinigung besaß Kaffee als Wohlstandsindikator in Ost und West einen hohen Symbolwert im individuellen und gesellschaftlichen Selbstverständnis. Monika Sigmund zeigt in ihrer vergleichend angelegten und reich illustrierten Darstellung den Stellenwert und die emotionale Aufladung, die mit einer Tasse Kaffee verbunden waren. In der DDR reichte eine Verschlechterung der Kaffeequalität, um massenhaften Konsumentenprotest und damit eine Legitimationskrise des SED-Regimes hervorzurufen. In der Bundesrepublik kritisierten Verbraucher die ausbeuterischen Produktionsbedingungen in der „Dritten Welt“ und nahmen Einfluss auf die Präsentation des Genussmittels in der Werbung. Der Kaffeegenuss war hier wie dort weit mehr als ein privater Akt.


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